Eine andere Perspektive auf 4.900 Geschäfte, die 2026 verschwinden werden.
2026 werden in Deutschland rund 4.900 Geschäfte schließen – so die Prognose des HDE. Erstmals könnte die Gesamtzahl der stationären Ladenlokale auf unter 300.000 sinken – vor zehn Jahren waren es noch rund 367.000. „Seit zehn Jahren verlieren wir in Deutschland jährlich mindestens 4500 Geschäfte oder mehr“, fasst HDE-Präsident Alexander von Preen die Lage zusammen. Innerhalb eines Jahrzehnts ist damit fast jedes fünfte Ladenlokal verschwunden.
Diese Zahlen klingen erneut alarmierend – und zugleich sind sie längst für jeden sichtbar: immer mehr Leerstand in den Innenstädten. Die Zahlen werden fast immer als das behandelt, was sie auf den ersten Blick zu sein scheinen: ein wirtschaftliches Problem. Ein Strukturwandel-Problem. Ein Online-vs.-stationär-Problem. Der stationäre Handel stirbt, weil der Online-Handel zulegt.
Aber was, wenn wir die falsche Frage stellen?
Einkaufen ist nicht das Ziel – Begegnung ist es
Einkaufen ist nach wie vor der häufigste Grund (61 Prozent), warum Menschen die Innenstädte besuchen. Doch Forschungen des IFH Köln zeigen: Der Wunsch dahinter ist ein anderer. Für 40 Prozent der Befragten sind Restaurants und Cafés inzwischen ein eigenes Motiv für den Innenstadtbesuch – 2022 waren es noch 35 Prozent, 2020 26 Prozent.
Vor allem jüngere Menschen im Alter von 15 bis 30 Jahren kommen wegen des Gastronomieangebots (44 Prozent), 56 Prozent zum Shoppen. Es geht ihnen darum, sich zu treffen und auszutauschen. Menschen besuchen also die Stadt, um zusammen zu sein. Das Produkt ist Nebensache.
Innenstädte sind also durchaus für junge Menschen interessiert – auch wenn immer wieder gern behauptet wird, sie würden sehr viel Zeit auf Social Media verbringen und wenig rausgehen. Das lässt sich am sinkenden Durchschnittsalter der Innenstadt-Besucher:innen ablesen (Altersdurchschnitt 2024: 46,1; 2022: 46,5; 2020: 47,5).
Konsum als Kitt – und was passiert, wenn er brüchig wird
„Es ist der gemeinsam gelebte Konsum, der unsere Gemeinschaft im Kleinen wie im Großen zusammenhält.“
Konsumorte gehören seit jeher zu den wenigen Orten, an denen Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen, aus unterschiedlichen Generationen und aus unterschiedlichen Lebenswelten gleichzeitig anzutreffen sind. Neutral. Offen. Ohne Eintrittskarte.
Stirbt die Fläche, stirbt die Begegnung. Das ist kein Wirtschafts-, es ist ein Gesellschaftsproblem.
Und gleichzeitig: eine Einladung. An Unternehmen, Städte und alle, die Orte gestalten. Denn was die Innenstadt der Zukunft braucht, ist nicht mehr Verkaufsfläche, sondern mehr Gründe, dort zu sein.
Die falsche Frage ist: Wie retten wir den stationären Handel?
Die richtige ist: Welche Orte wollen wir schaffen – und für wen?

Kommentar schreiben